Die Verteidigung

1947, die Nürnberger Prozesse: Einer der Angeklagten ist Ernst von Weizsäcker, SS-Brigadeführer und Spitzendiplomat unter Ribbentrop. Zu seinen Verteidigern zählt auch sein Sohn Richard, der vier Jahrzehnte später als Bundespräsident in seiner Rede vom 8. Mai über Kriegsschuld und die Befreiung Deutschlands vom Nazi-Gräuel sprechen wird. Eine historische Konstellation, die man kaum erfinden könnte: Hier stoßen – verkörpert in Vater und Sohn – das alte, schuldbeladene Deutschland und die gerade entstehende Bundesrepublik aufeinander. Mit literarischem Gespür nähert sich Fridolin Schley den historischen Figuren und umkreist dabei die grundlegenden Fragen nach Gut und Böse, Schuld und Unschuld, emotionaler und moralischer Verpflichtung. (Verlagstext)

 

Die Verteidigung

Roman

Hanser Berlin, 2021

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» Podcast, rbbKultur, Januar 2022

» Gespräch auf dem Blauen Sofa der Frankfurter Buchmesse, ZDF, Oktober 2021

» Interview, WELT, August 2021

» Interview, Lesart, Deutschlandfunk Kultur, August 2021

» Beitrag, Kulturzeit, 3sat, August 2021

» Interview, Süddeutsche Zeitung, August 2021

» Beitrag, Ö1 Mittagsjournal, ORF, August 2021

» Interview, Ö1 Kulturjournal, ORF, August 2021

„Mit sicherem Gespür für den historischen Kontext, unter Verzicht auf überflüssige romanhafte Ausschmückung und ohne das moralische Auftrumpfen der Nachgeborenen entfaltet Fridolin Schley ein inneres Zwiegespräch von bedrückender Intensität. (…) Der Leser, der sich auf die verstörende Dialektik dieser Perspektive einlässt, wird durch die Lektüre reich belohnt.“ (Thomas Karlauf, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Die Verteidigung gehört zu den aufwühlendsten Büchern dieses Herbstes (…) Es führt in atemberaubender Verdichtung jenen Moment vor Augen, in dem in Deutschland aus Wissenden angeblich Unwissende wurden. (…) Ein in seiner sprachlichen Zurückgenommenheit umwerfender und in seiner Verdichtung eindrucksvoller Roman.“ (Julia Encke, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

„Eine atmosphärisch dichte Erzählung, die einerseits eng an den gesicherten Fakten und Dokumenten bleibt, andererseits aber kräftig Gebrauch macht von der dem Literaten (…) jederzeit offenstehenden Möglichkeit, zu spekulieren und zu psychologisieren. Das Ergebnis ist beachtlich: Schleys Roman ist dort besonders stark, wo er dem zu Anfang des Prozesses 34jährigen Hauptverteidiger Hellmut Becker mit den Augen des 27jährigen Hilfsverteidigers Richard von Weizsäcker folgt. (…) Schleys Entscheidung, das Eröffnungsplädoyer der Verteidigung Hellmut Becker in den Mund zu legen (tatsächlich hielt es Warren Magee), beschreibt eine höhere Wahrheit.“ (Norbert Frei, Süddeutsche Zeitung)

„Schley, der an mehreren Stellen Bruchstücke aus der Rede in den Bewusstseinsstrom des jungen Richard einfließen lässt, kommt ohne jede wohlfeile moralische Überlegenheitspose des Nachgeborenen aus. In einer Zeit, in der Rufe nach neuen Formen der Gedenkkultur immer lauter werden, ist Die Verteidigung ein längst überfälliger Beitrag. Nicht nur weil darin kurzweilig und akribisch ein in die Gegenwart hineinwirkender Schlüsselmoment der deutschen Geschichte versinnbildlicht wird. Zudem wird mit unverbrauchten Mitteln eine alte, dennoch häufig verkannte Wahrheit demonstriert: ‚Verstehen‘ und nuancierter psychologischer Nachvollzug bedeuten eben nicht automatisch zu entschuldigen. Vielmehr wird dadurch erst jene Distanz erzeugt, ohne die Erkenntnis nicht zu haben ist.“ (Marianna Lieder, Die Zeit)

„Es ist, als habe Kafka nicht nur bei der Architektur des riesigen Justizpalasts sondern auch bei der des Verfahrens Pate gestanden, wenn Fridolin Schley davon erzählt. (…) Die Dezenz, mit der Fridolin Schley seine Bögen schlägt, hat etwas Meisterliches. Und die Verbindungen, die er uns aus seinem Text herauslesen lässt, verleihen dem Roman seine eigentlich spannende Dimension. (…) Es ist schade, ja ein Verlust für die deutsche Gesellschaft, dass Richard von Weizsäcker seine wahren Gedanken zu dieser Verteidigung nie hat teilen wollen. Für die deutsche Literatur unserer Tage war es eine Chance und Dank der Tatsache, dass Fridolin Schley sie ergriffen hat, so etwas wie ein Glück.“ (Hans von Trotha, Deutschlandfunk Kultur)

 „Aus stetig wechselnden Perspektiven, mit einer Erzählstimme, die den beteiligten Personen ganz nahe kommt und sich dann immer wieder von ihnen entfernt, stellt dieser Roman eindringliche Fragen: nach Moral und Menschlichkeit, nach Wahrheit und Wahrnehmung, nach der Schuld der Väter und der Verantwortung der Kinder. (…) In diesem ungeheuer dicht erzählten und lesenswerten Roman verschlägt es einem (…) immer wieder die Sprache.“ (Andreas Wirthensohn, WDR)

„Mutig, risikofreudig und souverän (…). Ein schmales aber großes Buch über Schuld, Hybris und Mitläufertum.“ (Cornelia Zetzsche, Bayerischer Rundfunk, BR2, radio-Texte – Das offene Buch)

„Ein Roman, der nicht nur einen profunden erzählerischen Blick auf die Entstehungszeit der Bundesrepublik wirft, sondern zugleich die ganz großen Themen in den Ring schleudert: Schuld und Unschuld, Opfer- und Täterrollen, Moral und Gewissen. (…) Ein großartiges, herausforderndes Buch, das nicht zuletzt aufgrund seiner exzellenten Sprache besticht.“ (Sabine Zaplin, Bayerischer Rundfunk, BR24)

„Der Roman hat eine unglaubliche Leidenschaft. Eine Leidenschaft der Aufklärung, der Nuance, des genauen Hinsehens. (…) Wer ein bisschen für das Abenteuer des Denkens und Mitfühlens und nicht für schnellfertiges Denken gemacht ist, der wird ein riesiges Vergnügen daran haben. (…) Und er wird eine sehr schwierige Situation der deutschen Geschichte so genau verstehen, wie man es bisher nicht konnte. Fridolin Schley geht näher heran als jeder andere bisher.“ (Andreas Isenschmid, 3sat, Kulturzeit)

„Es ist dies kein historischer, wohl aber ein historisch gründlich recherchierter, ein feinsinniger und intelligenter Roman, der seine Leser sensibel sowie mit hohem Respekt vor dem ehemaligen Bundespräsidenten mitnimmt in dessen inneres Zwiegespräch und innere Zwiespältigkeiten über Schuld und Gerechtigkeit, Verantwortung und Pflicht, Wahrheit und Lebenslüge.“ (Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung, Prantls Leseempfehlungen)

„Eine atemberaubende und hochliterarische Annäherung an das Vater-Sohn-Verhältnis, basierend auf einem festen Faktenfundament (…), sehr eindringlich, nie aufdringlich.“ (Natascha Freundel, rbbKultur)

„Es sind die präzise beobachteten Dynamiken und Wirkmechanismen, die Fridolin Schleys Die Verteidigung zu solch einer faszinierenden und anregenden Lektüre machen. (…) Ihm gelingt eine packende Verdichtung des Sachverhalts.“ (Karl Adam, literaturkritik.de)

„Ein virtuos gewebtes Netz aus Fakt und Fiktion. Richards Fragen sind letztlich unsere. Das macht Die Verteidigung gerade heute, wo die letzten Zeitzeugen bald gestorben sein werden und nach neueren Studien immer weniger Jugendliche über den Nationalsozialismus und seine Menschheitsverbrechen Bescheid wissen, zu einem eminent wichtigen Buch.“ (Florian Welle, Münchner Feuilleton)

„Eine meisterhaft geformte Sprache (…), eine große schriftstellerische Leistung.“ (Jürgen Feldhoff, Lübecker Nachrichten)

„Wie Fridolin Schley die Räume der Vergangenheit mit Leben füllt, und wie er sich dort im Denken der Weizsäckers und der damaligen Zeit umsieht, das ist hochspannend. Und dass er für den Wechsel aus erzählerischen und essayistischen Passagen den richtigen Rhythmus findet, macht seinen Roman auch sprachlich zu einem Genuss.“ (Wolfgang Popp, ORF)

„Für mich ist das Buch dermaßen intensiv, dermaßen berührend, dass ich sagen würde, es ist eines der besten des Herbstes.“ (Felix Münger, SRF1)

„Wie verteidigt man als Sohn den Vater, der einem verbrecherischen Regime gedient hat? Fridolin Schley geht dringlichen Fragen von Pflicht, Verantwortung und Schuld nach. Ein beeindruckender, sprachlich meisterhafter Roman.“ (Uwe Timm)

„Mit sprachlicher Virtuosität mischt Fridolin Schley Geschichte, Bilder und Quellen zu einem literarischen Sturm aus Fragen.“ (Lena Gorelik)

„Fridolin Schleys kluger, psychologisch feinfühliger und genau recherchierter historischer Dokumentarroman ist ein Gerichtssaal-Drama, das das ,große Drama der Geschichte´ und das der Beteiligung daran verhandelt. (…). Der Autor schreibt kühl, präzise und ohne jeden moralischen Überlegenheitsgestus des Nachgeborenen. Die Verteidigung zeigt uns das Ringen um die Wahrheit als lebenslangen Prozess.“ (Aus der Jurybegründung des Tukan-Preises 2021)